Ehrenmal "Nennigmühle"

 

Zitat von der Gemeinde Pockau-Lengefeld:

 

"Die Geschichte des Sonderrevier Stalag IV F - Lazarett Lager Nennigmühle und der Grabstätte"

 

Entstehung und Nutzung

Es ist auf das unermüdliche Engagement eines Görsdorfer Heimatforschers zurückzuführen, dass man heute einiges mehr über die Nennigmühle, das angebliche "Lazarettlager", eine Außenstelle des Stalag IV F von Hartmannsdorf bei Chemnitz und die dortigen faschistischen Verbrechen weiß.

Ein großes Fachwerkgebäude nebst Grundstück , ursprünglich "Burschenheim", eine Fürsorge- und Erziehungsanstalt, wurde 1930 vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) aus Chemnitz übernommen. Sechs Jahre später wurde es an das Land Sachsen/ Gau Sachsen verkauft und anschließend durch den "freiwilligen Arbeitsdienst" (später Reichsarbeitsdienst) und die ansässige Flussgenossenschaft bei Arbeiten an der Flöha genutzt.

 

Nutzung als Kriegsgefangenenlager

 

Seit 1939 gilt es als Kriegsgefangenenlager. Gleichzeitig jedoch beginnen die Lücken in der Geschichtsschreibung.

Sicher ist es, das es als Arbeitslager und "Lazarettlager" bestand. Die sowjetischen Kriegsgefangenen schuffteten in einem naheliegenden Sägewerk oder bei Bauern in den umliegenden Ortschaften. Die unweit gelegene Papierfabrik Günther & Richter unterhielt indes ein eigenes Lager.

Die im Archiv der Stadt Pockau-Lengefeld befindlichen Totenscheine belegen, dass es schon 1942 die ersten sowjetischen Opfer gab.

Der Hang an der Sorgauer Straße, auf dem sich heute die Kriegsgräberstätte befindet, wurde zum Begräbnisort der nachgewiesenen 91 sowjetischen Opfer. Ebenfalls gab es 5 Umbettungen. Letztere wurden an der Friedhofsmauer des Friedhofes Forchheim begraben. Da der Weg dorthin zu weit war, wurde der nächste Verstorbene gleich neben der Brücke am Ufer der Flöha verscharrt.

 

Grausame Hintergründe der Toten

 

Warum aber sollte das faschistische Regime, dem auch Sowjetsoldaten als ausrottungswürdige "Untermenschen" galten, ein Lazarett einrichten, um Kriegsgefangene gesundzupflegen? In der näheren Umgebung befanden sich zudem keine größeren Einsatzstätten für zwangsarbeitende Gefangene. Belegt werden kann jedoch Verbrechen. Ab 1941 erlaubte das Oberkommando der Wehrmacht, Kriegsgefangene für "wissenschaftliche Versuche" zu benutzen. Im etwa 50 km entfernten Niederschlema fanden nachweislich Radon-Versuche am Menschen statt. Die Gefangenen wurden gezwungen, radioaktive überdosierte Flüssigkeiten zu trinken. Ziel war es, Schädigungen an der Lunge und Organismus zu erforschen. Die Opfer kamen zur Beobachtung nach Nennigmühle, wo anschließend Röntgenuntersuchungen vorgenommen wurden. Ein deutscher Sanitätsunteroffizier und ein gefangen genommener Arzt, welcher nur zeitweise vor Ort war, beoachteten den Krankheitsverlauf und dokumentierten diesen. Von den Toten wurden Strichlisten erstellt.

Der bereits erwähnte Hang ermöglichte dann eine einfache Beseitigung der Leichen. Dort wurden die in Papierstücken eingehüllten, verstorbenen Kriegsgefangenen in kleinen Massengräbern verscharrt.

 

Umgang mit den Kriegsgefangenen

 

Auch wurde durch eine Zeitzeugin, welche als junges Fräulein mit ihrer Familie im "Burschenheim" wohnte, das Leben der Gefangenen beschrieben.

Es gab einen lockeren Umgang. Man steckte den Gefangenen manchmal eine Kartoffel extra zu. Abends saßen die zumeist jungen Männer zusammen im Hof und sangen, malten oder bastelten. Am nächsten Morgen fuhr man wieder die in Papierstücken eingehüllten Toten weg, die in der Nacht zuvor verstarben.

 

Ende des zweiten Weltkriegs im Lager

 

Das Lager wurde kurz vor Kriegsende aufgelöst.

Auf den Massengräbern waren Kreuze aus Birkenholz errichtet. Im Jahr 1947 wurden diese durch einen 4,5 m hohem Obelisken mit gläsernem roten Stern ersetzt. Auf diesem Obelisken befanden sich die Namen der Toten in kyrillischer Schrift. Ebenfalls befand sich der Schriftzug "Ewiger Ruhm den Sowjetbürgern, die ihr Leben für die Befreiung der Menschheit von faschistischer Sklaverei hingaben ". Zum Obelisken führte eine einfache Steintreppe.

Nachdem die Grabstätte von gesamt 96 Kriegsgefangenen im Jahr 2009 massiv verwüstet wurde, konnte Dank einiger Bürger vor Ort diese Anlage 2014/15 NEU aufgebaut werden!